North Yorkshire Moors Railway
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North Yorkshire Moors Railway

"Great Britains greatest "

In vielfacher Hinsicht ist diese Museumsbahn das Beste, was die "Heritage Railways" auf der Insel zu bieten haben. Eingebettet in den Nationalpark North Yorkshire Moors, in unmittelbarer Nähe zu den Badeorten Whitby und Scarborough, zieht sie jährlich die unvorstellbare Menge von über 305.000 Besuchern an.

Die Strecke ist eine ehemalige LNER-Strecke (London & North Eastern Railway), die ab 1923 das Netz östlich und nördlich von London befuhr.

Wie so viele wurde sie in den Sechzigern nicht von der Beeching-Axt verschont und stillgelegt. Aber der erste Museumszug lief dann bereits am 2.Februar 1969 und der regelmässige Passagierverkehr begann 1972.

Die Strecke ist zur Zeit 29 Kilometer lang und führt von Pickering über Goathland nach Grosmont, hier hat sie Anschluß an das reguläre Netz von Network Rail.

Lokomotive vom Typ GWR 52xx in Grosmont

Grosmont (gesprochen Gro-mont, das "s" wird weggelassen) ist der größte Bahnhof an der Strecke und der Sitz des MPD (Motive Power Department = Lokomotivabteilung oder Bw). Die Lokabteilung ist eine der größten bei Museumsbahnen, sie enthält Lokschuppen, Reparaturwerkstätten, Kesselschmiede, Verwaltungsgebäude und eine große mechanische Bekohlungsanlage, errichtet 1989 und damit damit die erste neugebaute ihrer Art seit den fünfziger Jahren.

Die Einfahrt in den Bahnhof Grosmont erfolgt durch einen etwa 150 m langen Tunnel, parallel zu dem ursprünglich 1836 errichteten ersten Pferdebahntunnel. Dieser dient jetzt als Fußweg zum Lokschuppen. Bemerkenswert ist auch den Bahnübergang mit extra breiten Toren. Sie werden vom Stellwerk über Seilzüge fernbetätigt. Im Gegensatz zu den deutschen Kurbeln ähnelt der Antrieb mehr einem Schiffssteuerrad.

Stellwerk in Grosmont mit Bahnübergang

Aufgrund ihres ausgezeichneten Marketings ist die NYMR in der ganzen Welt bekannt. Im Gegensatz zu anderen Bahnen ist sie eine Kapitalgesellschaft, die in der Hauptsaison 120 Voll- und Teilzeitbeschäftigte hat. Dazu kommen noch 300-400 Freiwillige und etwa 8000 Mitglieder in der NYMR Society. Der Umsatz betrug im letzten Jahr über 4,25 Mill. brit. Pfund, das sind etwa 6,3 Mill. Euro. Durch diesen Erfolg beflügelt nimmt man neue Projekte in Angriff, wie eine Wagenhalle mit 32 Stellplätzen, besonders für die einmaligen Teakholzwagen oder die Bedienung der Network-Rail Strecke bis nach Whitby. Es ist dann das erste Mal, daß eine Museumsbahn regelmäßigen Dampf-Betrieb auf dem normalen Netz anbietet. Dazu werden natürlich einiges an Ressourcen, besonders Dampfloks und historisches Wagenmaterial benötigt, was wiederum mit Kapital verbunden ist.

Tunnel vor Einfahrt nach Grosmont

Der Fahrzeugpark setzt sich zum großen Teil aus Loks der LNER zusammen, wie zum Beispiel die Klassen Peppercorn K1, NER P3,  A2 "Blue Peter", J 72 "Joem" und die wohl bekannteste Lok der NYMR, die A4 Lok "Sir Nigel Gresley". Sie ist die Schwesterlokomotive der "Mallard" und verkehrt nach langer Restauration seit diesem Sommer wieder auf der Strecke. Bestechend in bei ihr die leuchtend blaue Stromlinienverkleidung, die besonders vor den Teakholzwagen, wovon die NYMR einen kompletten Zug besitz, sehr gut zur Geltung kommt. Daneben verkehren Loks der LMS und Standardloks von British Railways sowie historische Dieselloks und Triebwagen.

BR Standard 4MT 75029 und 80135 in Grosmont

Diese beiden Loks sind Standardloks der britischen Staatsbahn aus den Fünfzigern. Ähnlich wie in beiden Teilen Deutschland wurden nach dem Krieg neue Bauarten aufgelegt, um den Lokomotivpark zu vereinheitlichen, was aber nur teilweise gelang, da die Verdieselung schneller war.

Links auf dem Foto sieht man die No 75029, eine Schlepptender-Lok der Baureihe 4 MT. Die Achsfolge ist 4-6-0, auf "deutsch" übersetzt ist das 2" C, also wie die Baureihe 38. "MT" bedeutet "multiple traffic", also die Lok ist für Personen- und Güterzüge geeignet. Die Baureihe 4 MT wurde von 1951 bis 1957 in 80 Exemplaren gebaut. Die Achslast beträgt nur relativ niedrige 17,25 Tonnen, und so konnte sie freizügig eingesetzt werden. Gerade viele Nebenstrecken in Großbritannien hatten in den fünfziger Jahren nur einen leichten Oberbau.

Das Einsatzgebiet reichte von Mid-Wales über das Gebiet der "Southern" bis nach Skipton in das Herz der Yorkshire Dales. Die größtenteils unspektakulären Karrieren der 4MT 4-6-0 endeten zwischen 1964 und 1968. Es wurden sechs Exemplare erhalten, welche inzwischen länger im Museumsbetrieb als bei British Railways gelaufen sind !

Rechts daneben auf dem Foto ist die No 80135, eine Tenderlok mit der Achsfolge 2-6-4T. Sie wurde in den Werkstätten der London, Brighton & South Coast Railway entworfen, doch der Stammbaum war rein LMS. Die Zeichner der Brighton Werkstätten passten das Führerhaus, Wassertanks und Kohlebunker an das neue Universal-BR-Lichtraumprofil L1 an, so daß einem freizügigen Einsatz nichts im Wege stand.

Die Class 80 waren das Tenderlok-Equivalent zur Class 4MT (No 75000-750079, siehe oben) und teilten mit ihnen den gemeinsamen Kessel (BR5), die meisten Steuerungsteile und dieTreibradsätze. Unterschiede waren natürlich die Wassertanks sowie die Kreuzkopfaufhängung.

Ursprünglich waren die 155 gebauten Loks zur Verteilung zwischen der Scottish, Southern und London Midland Region vorgesehen. Doch ihre hohe Beschleunigung und gute Endgeschwindigkeit machten sie zur idalen Lok für den Vorortverkehr in London und Glasgow. Weitere Loks fuhren auf den Routen der Cambrian Railways in Wales, auf der Somerset & Dorset Joint Line sowie zwischen Whitby und Scarborough. Ihre Vielseitigkeit machte sie zu einer äußerst populären Lokomotivbaureihe, und so wundert es nicht, daß 15 Exemplare vor dem Schneidbrenner gerettet wurden.

Damit wird eine der Erfolgstories von British Railways nun im 21.Jahrhundert fortgesetzt.

Diesellok der Class 24

Die obige Lok ist vom Typ Class 24, nach dem Motorenlieferant auch als Sulzer Typ 2 bezeichnet. Von dieser Baureihe wurde von 1958 bis1961 insgesamt 151 Stück in den Lokfabriken von Derby, Crewe und Darlington gebaut. Diese Lok Nummer D 5061 mit dem Namen "Experiment" war für `departmental use´, daß heißt, die Lok war nicht einer bestimmten Einsatzstelle für ordinären Zugdienst zugeteilt, sondern wurde vom Railway Technical Centre für Testzwecke vorgehalten. Die zweigeteilte Klappe unter dem mittleren Fenster ist eine Tür zum Übergang auf Personenwagen, wovon man aber in der Praxis sehr wenig Gebrauch machte. Die meisten Türen wurden später durch ein einfaches Blech ersetzt, so daß die abgebildete Bauart heute selten ist.

Inzwischen haben bei vielen Museumsbahnen die Dieselloks und Triebwagen auch schon fast 50 Jahre auf dem Buckel und sind nicht minder eindrucksvoll als die Dampfloks. Die Geräusche sind infernalisch und der Auspuffqualm kann jeder Dampflok zur Ehre gereichen.

Bahnhof Goathland

Die bedeutensde Zwischenstation ist Goathland, mitten in den "Moors" gelegen und mit dem Auto nur über sehr schmale und kurvige Straßen zu erreichen. Hier ist ein komplettes "Northern"- Schema erhalten, mit Fußgängerbrücke, Wasserturm, Güterschuppen und Kohleverladung. Das Dorf liegt in unmittelbarer Nähe und ist durch seine pittoresken Häuser ein beliebtes Ausflügziel nicht nur für Eisenbahntouristen. Im Ort wurde die überaus populäre britische Fernsehserie "Heartbeat" gedreht und viele Besucher kommen an die Originalschauplätze. Aber auch in Harry-Potter-Filmen spielte der Bahnhof eine Rolle und wurde zu diesem Zweck in "Hoagsmead" umbenannt. Auf der Strecke verkehrte im Film die Lok "Hogwarts Castle", die eigentlich eine rot lackierte Great Western-Lok der Hall-Klasse war.

DMU (Diesel  Multiple Unit)  auf der Strecke in den Moors

Leider gibt dieses Foto nur unzureichend die Schönheit der Strecke wieder. Ausgezeichnete Fotos findet man auf der Website www.dampfsound.de.

Black Five No. 44767 verläßt mit dem "The Moors Explorer" den Bahnhof Goathland in Richtung Lewisham

   
       
 

 

   
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