The Poppy Line
 
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Die North Norfolk Railway
"The Poppy Line"

Weitab von den klassischen Touristenströmen gibt es ebenfalls schöne Landschaften im Vereinigten Königreich. Eine solche Gegend, die ziemlich unbekannt ist in Deutschland, ist Norfolk in Ostengland. Nun nicht gerade die typische Urlaubsgegend, viel Landwirtschaft, ein wenig Kleinindustrie. Aber man sollte nicht denken, daß der Museumseisenbahngedanke hier keinen Fuß gefaßt hat. Auch hier gibt eine sehr schöne Bahnlinie. Sie verbindet den Badeort Sheringham über Weybourne nach Holt.

Sheringham liegt am Ende der "Bittern-Line", die von Norwich an die Küste führt. Es ist ein kleiner Badeort, mehr mit regionaler Bedeutung für East Anglia. Früher ging die Strecke weiter in den Süden nach Melton Constable und war ein Teil der Eastern und Midland Railway. Aber das ist lange Geschichte, erhalten sind nur noch etwa 8 km der Strecke.

Bahnhof Sheringham

Sheringham ist nun ein zweigleisiger Endbahnhof. Er wurde in der für diese Gegend typischen Klinkerbauweise errichtet. Schön ist auf dem Foto die reichverzierte gusseiserne Bahnsteigüberdachung zu sehen. Hier befinden sich der Souvenirshop, die Fahrkartenausgabe, ein Restaurant und auf dem Bahnsteig 2 ein kleines Modellbahngeschäft. Im ehemaligen "Ladies Waiting Room" ist eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Midland & Great Northern Railway. Früher hatten die allein reisenden Damen ihren eigenen Warteraum, da man wohl Belästigungen von anderen, meist männlichen Mitreisenden fürchtete. Aber auch das ist lange her.

In Sheringham steht auch die Hauptperson des heutigen Tages, ein Terrier. Die Norfolk Terrier sind klein, flink und zäh. Aber es ist natürlich kein Hund, sondern eine Lok der Terrier-Klasse.

"Martello" steht zur Abfahrt bereit

Der Terrier hört auf den Namen "Martello", es ist eine Lok der ehemaligen London, Brighton & South Coast Railway. Es ist eine der ältesten noch unter Dampf stehenden Lokomotiven in England. Die Lok mit der Nummer 662 wurde im Jahre 1875 gebaut und kann nun auf ein stolzes Alter von 131 Jahren zurückblicken. Der Konstrukteur war William Stroudley. Die Lok war so gelungen, daß einige ihrer Bauart noch bis nach 1960 bei British Railways dampften. Stroudley hat auch die "Gladstone" konstruiert, die jetzt im Eisenbahnmuseum von York zu besichtigen ist und die als schönste englische Dampflok aller Zeiten gilt.

Den Namen "Terrier" bekamen die Loks kurz nach ihrem Erscheinen wegen ihrer Eigenschaften, flott, zäh und mit hoher Beschleunigung. Auch das Auspuffgeräusch wird seinen Teil mit dazu beigetragen haben, durch die Ventilsteuerung klingt es wie ein kurzes bellen oder kläffen, wie eine kleine bissige Töle.

Martello 662

Normalerweise ist "Martello" in Bressingham beheimatet. Dort befindet sich des Bressingham Steam Museum, eine Sammlung von englischen und europäischen Dampfloks, Regel- und Schmalspur, darunter die berühmte "Royal Scot" der LMS (ein Modell dieses Typs fährt auch auf meiner Anlage, siehe die rote Lok). Da die Strecke dort nur 800 m lang ist, hat der Terrier hier in Nord-Norfolk ein wenig mehr Auslauf bekommen. Er zieht zwei frisch restaurierte Vierachser aus den späten 50ern, die so piekfein und sauber sind, daß man denkt, sie kommen eben aus aus der Waggonfabrik.

Bahnhof Weybourne

Und nun geht die Fahrt los. Der Zug verläßt Sheringham und rumpelt über ein paar Weichen.Links steht ein schöner alter Wasserturm. Die Strecke verläuft etwa in 500 m Abstand zur Küstenlinie, so daß man fast immer das Meer in Blick hat. Wir fahren an einen Golfplatz vorbei, die Spieler sind nicht so ins Spiel vertieft, daß sie nicht die Zeit hätten, dem Zug nachzuschauen. Die Landschaft ist sanft geschwungen, die Hügel entstanden in der letzten Eiszeit und bestehen aus Sand, Kalkstein, Kies und Feuerstein. Nun kommt eine die stärkste Steigung der Strecke (1:80), die der Terrier hochschnaufen muß. Mit mehrals zwei Wagen hätte er es wohl nicht geschafft. Dann fahren wir in den Bahnhof Weybourne ein.

Dieseltriebzug (DMU) der Class 101

Dort begegnen wir einen Dieseltriebwagen. Diese Triebwagen der Class 101 waren über 40 Jahre das Standardmodell der British Railways. Ab 1956 wurden von dem Hersteller Metropolitan-Cammell über 760 Stück gebaut. Es gab 2-, 3- und 4-teilige Züge (sets).

Sie waren über ganz Großbritannien verbreitet. Die North Norfolk Railway nutzt in in der verkehrsschwachen Zeit und in Tagesrandlagen. Durch die großen Scheiben kann man dem Fahrer über die Schulter schauen uns hat einen interessanten Blick auf die Strecke. Doch ich will mir noch ein wenig den Bahnhof Weybourne anschauen.

Fußgängerbrücke in Weybourne

Da ist er wieder, der typische englische Landbahnhof. Er ist fast genau wie "Blackmoor Vale" auf meiner Anlage. Außenbahnsteige, leicht geschwungene Gleise, ein Gütergleis, ein Ende die Straßenbrücke, das andere eine Fußgängerbrücke. Auf dem Bahnsteig steht das Stellwerk, auf der anderen Seite das Empfangsgebäude. Sogar die Form der Gaslaternen stimmt mit meinen Bahnhof überein. Die Empfangshalle hat eine schöne Holzpaneeldecke. Der Bahnhof hat eine Heiratslizenz, wenn man will und die passende eisenbahnverrückte Frau dazu hat, kann man hier den heiligen Bund der Ehe schließen...

In einem Packwagen am Ladegleis steht eine Modelleisenbahn, die an den Fahrtagen besichtigt werden kann. Wir nehmen jetzt den Triebwagen unf fahren durch dichte Kiefernwälder weiter bis nach Holt.

DMU Class 101 nach Holt

Dieser Typ DMU wird dieses Jahr von Hornby als 00-Modell heraus gebracht. Die blaue Farbgebung der 70er Jahre sagt mir nicht so zu, aber bei Hornby gibt es ihn dann ebenfalls in dem klassischen Dunkelgrün mit gelben Streifen und dem eleganten Wappen. In Holt ist nur ein kurzer Aufenthalt. Der Bahnhof war zum Ende der BR-Zeiten vollständig abgerissen und wird nun schrittweise wieder errichtet. Im Sommer fährt vom Bahnhof aus ein Pferdeomnibus in das 2 km entfernte Dorf, welches größtenteils seit 100 Jahren unverändert ist.

In Sheringham zurückgekehrt wartet wieder die Neuzeit auf mich. Mit einem modernen Dieseltriebzug der Reihe (Class) 158 geht es heimwärts nach Norwich. Ein schöner Tag ist zu Ende, mit herrlichsten Sonnenschein, blauen Himmel, Dampf und vielen Erlebnissen. Zum Nachvollziehen hier die Adresse www.nnrailway.co.uk

Ach ja, eines muß noch geklärt werden, woher kommt der Name "Poppy Line"? Nun, "Poppy" heißt auf deutsch Mohn. Den Namen "Mohn-Linie" erhielt sie in viktorianischen Zeiten vom Journalisten Clement Scott, der von den im Sommer wogenden Mohnblütenfeldern angeregt wurde. Er schuf den Begriff "Poppyland" für die Küstenlandschaft von Nord-Norfolk.